Trennung mit Kind

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heikeregistered
at 01/02/2007, 03:59:25

Hallo,

ich habe mich vor kurzen von meinen Mann getrennt, mit dem ich 4 Jahre verheiratet bin. Wir haben einen kleinen Sohn und da mein Mann kein Deutscher ist, haben wir bisher im Ausland gelebt. Mitte des Jahres sind wir nach Deutschland zurückgekommen und für mich stand fest, dass ich hier bleiben werde. Meine Ehe lief schon seit langem nicht besonders gut. Ich habe mehr als 2 Jahre die Beziehung fortgeführt, obwohl ich mich nicht darin finden konnte und stattdessen mich immer mehr in den Hintergrund gestellt habe. Ein sehr wichtiger Grund war, dass ich meinen Mann und meinen Sohn nicht voneinander trennen wollte, da die Distanz aufgrund der verschiedenen Nationalitäten riesig wäre und ein gemeinsames Sorgen für unser Kind auszuschliessen ist. Dies auch, weil ich nicht zurück in sein Land möchte und er auf keine Fall in Deutschland leben will. Da ich selbst Kind geschiedener Eltern bin, wollte ich mein Kind nicht demselben Schicksal überlassen, wenig Kontakt zu seinem Vater zu haben. Leider bedeutete dies für mich, dass ich entweder die Ehe weiterführe, oder allein in mein Mannes Land mit meinem Kind leben müsste. So entschied ich mich, die Beziehung weiterzuführen. Dies machte mich aber zunehmend unglücklich. Ich verlor jegliche Lust am Leben, wurde depressiv und sah in nichts mehr einen Sinn. Dies wirkte sich auch auf meine Mitmenschen aus. Mein Sohn spürte meine zunehmende Ungeduld und Unzufriedenheit, meinen unstillbaren Wunsch nach Ruhe und Alleinsein, und auch mein Mann litt sehr darunter. Und obwohl ich immer wieder versuchte, die Beziehung zu retten, fühlte ich mich unverstanden und meine Gefühle mit den Füssen getreten. Als mir klar wurde, dass ich mich unbedingt trennen musste, um das Wohl meines Sohnes wegen und um selbst nicht unterzugehen, machte ich mehrmals den Versuch die Ehe zu beenden, aber immer hielt mich mein Schuldgefühl, meinen Mann und meinen Sohn voneinander zu trennen, davon ab, den entgültigen Schritt zu wagen. Ich schob es immer vor mir her. Mein Mann wusste schon lange, wie es um meine Gefühle zu ihm stand, aber er wollte es entweder nie richtig glauben, oder nahm mich einfach nicht ernst. Jetzt habe ich endlich die Trennung geschafft. Was ich mir dabei vorwerfe, ist, dass ich es erst in meinem eigenen Land getan habe. Dort, wo mein Mann ohne jede Hilfe nun alleine dasteht. Ich habe mich deshalb sehr bemüht, ihm zu helfen. Habe ihm Unterkunft bei Freunden besorgt und versuche ihm auch sonst irgendwie behilflich zu sein. Mein Mann ist aber sehr verletzt und macht mir dies auch ständig deutlich. Da mein Mann beruflich öfters über Monate unterwegs war, habe ich mich um die Pflege unseres Kindes oft allein gekümmert. Mein Sohn hat deshalb eine sehr enge Bindung zu mir aufgebaut und ich habe das Gefühl, dass ich für ihn die einzige Bezugsperson bin, der er vollkommen vertraut. Dies äussert sich in verschiedenen Verhaltensweisen oder bei Dingen, bei denen er sich nur von mir helfen lässt. Da mein Mann erst vor kurzen von einer längeren Berufsreise zurückgekehrt ist, hat mein Sohn sich daran gewöhnt, bei mir zu leben und hat etwas Zeit gebraucht, um sich hier in Deutschland einzuleben. Jetzt fühlt er sich offensichtlich sehr wohl hier. Da mein Mann sein Kind durch die Reise nicht sehen konnte, möchte er dies jetzt gerne nachholen. Ich versuche, ihm dies auch zu ermöglichen, so gut es geht. Er akzeptiert aber auf keinen Fall, das unser Sohn bei mir lebt, sondern möchte ihn gern teilen. Also hat er mir den Vorschlag gemacht, dass unser Kind ein Jahr bei mir und dann ein Jahr bei ihm in seinem Land lebt, und so immer abwechselnd. Ich habe dies promt abgelehnt, weil dies meinem Sohn keinesfalls gut tun würde. Dies bedeutet, dass er jedes Jahr sein Leben komplett neu beginnen würde. Jetzt geht der Streit darum, ob unser Kind bei ihm oder bei mir leben wird. Ich halte ihn für einen guten Vater, aber für etwas verantwortungslos in einigen Dingen. Auch finde ich, dass mein Mann nicht die nötige Reife zeigt, das richtige für unseren Sohn erkennen zu können, denn unseren Sohn jährlich aufzuteilen, find ich sehr egoistisch von uns und würde für ihn bedeuten, ohne jede feste Lebensbasis aufzuwachsen. Seit mein Mann von seiner Reise zurück ist, lasse ich es zu, dass er mich jeden Tag anruft, um mit mir eine Zeit auszumachen, seine Sohn abzuholen. Er will dieses Jahr hier in Deutschland bleiben, einzig und allein, um seinen Sohn zu sehen. Und er kann ihn auch so gut wie täglich sehen. Dies bedeutet für mich, dass ich trotz Trennung jeden Tag Kontakt zu meinem Mann habe, mich jeden Tag Diskussionen aussetze, weil er nicht akzeptieren kann, dass mein Sohn auf grund der Umstände bei mir wohnt und deshalb auch bei mir schlafen sollte. Desweiteren akzeptiert er die Schlafenszeit unseres Sohnes nicht und bringt ihn immer sehr spät heim. Wenn ich ihn frage, wann er den Kleinen nach Hause bringt, sagt er: Mal sehen, vielleicht will er ja auch bei mir schlafen. Dabei geht mein Sohn nicht mal mit ihm auf Toilette und er musste ihn schon des öfteren zu mir bringen, damit er sich nicht in die Hose macht. Dann muss ich mir anhören, dass ich unserem Kind einrede, nur mit mir auf Toilette zu gehen, oder dass er immer zu Hause schlafen soll. Ich ertrage seine Beschuldigungen langsam nicht mehr. Ich tue wirklich alles, damit er sein Kind sehen kann. Ich sitze jeden Tag abends zu Hause und warte auf unseren Sohn. Und jedes Mal kommt er später heim. Gestern wurde es halb 11 Uhr, als er heimkam. Er meinte: Wir haben uns so amüsiert, er wollte gar nicht heim und es ist doch Silvester! Aber er konnte nicht anrufen und sagen, dass alles ok war. Ich habe mir Sorgen gemacht und nur weil ich bei ihm angerufen habe und ihm die Meinung gesagt habe, hat er ihn dann doch irgendwann heimgebracht. Mein Sohn war totmüde.
Ich bin es echt leid, dass er meine Gefühle mit Füssen tritt und macht, was er will. Er nutzt meine Gutmütigkeit aus. Aber die Tatsache, dass ich weiss, das er dies nicht mit Absicht macht, sondern unbewusst, weil er sich im Recht sieht und es nicht anders gelernt hat, die Dinge zu sehen, macht es mir schwer, Konsequenzen zu ziehen. Er meint, dass er dasselbe Recht hat, zu bestimmen, wo, wann und wie lange sich unser Sohn irgendwo aufhält. Und ich kann nicht leugnen, dass er Recht hat. Aber ich finde, dass er nicht einfach so ankommen kann, nachdem ich ununterbrochen für unseren Sohn gesorgt habe, während er oft weg war und dann versucht, die Zeit aufzuholen. Mein Sohn verbringt mittlerweile gern Zeit mit ihm, anfangs wollte er das nicht, aber er möchte nicht bei ihm schlafen. Und mein Mann versucht mir ein schlechtes Gewissen einzureden, weil ich ihn nicht bei meinem Mann schlafen lasse. Und er setzt mich damit und mit vielen anderen Argumenten sehr unter Druck. Wenn ich mal meine Ruhe haben will, oder einen Nachmittag mit meinem Kind verbringen will, muss ich das Haus verlassen und unerreichbar sein. Denn wenn ich ihm sein Kind mal einen Tag verweigere, befürchte ich, dass er dann erst recht tut, was er will. Oder ihn gar nicht mehr heim bringt. Wir haben beide das Sorgerecht. Jeder um mich herum rät mir, das alleinige Sorgerecht zu beantragen und meinem Mann unseren Sohn nicht ohne meine Begleitung zu überlassen, damit er nicht mit ihm abhaut. Ich glaube nicht, das er dies tun würde, solange ich ihm entgegenkomme. Und ich finde es falsch, das alleinige Sorgerecht hinter dem Rücken meines Mannes zu beantragen. Ich hoffe, dass er es irgendwann einsieht, dass mein Sohn sich nie von mir trennen würde und zustimmt, mir das Sorgerecht zu überlassen. Aber ich glaube, dass er dies nicht tun wird. Ich stecke somit in einer Sackgasse. Denn ich will es trotzdem nicht hinter seinem Rücken beantragen, denn das würde für mich einen Verrat an meinem Gerechtigkeitssinn bedeuten und ich würde mir das nie verzeihen. Denn damit wäre jede friedliche Lösung unmöglich und es würde genau das passieren, was ich nicht wollte. Das der Kontakt meines Sohnes zu seinem Vater aufgrund von fehlendem Vertrauen sehr schwierig wäre. Denn wenn er mit meinem Sohn das Land verlässt, ist es sehr schwer für mich, ihn wiederzubekommen. Ich weiss nicht, wie ich mich verhalten soll, denn so wie es gerade ist, geht es nicht weiter. Mich macht die Sorge um mein Kind krank und mein Mann respektiert mich immer weniger. Ich habe das Gefühl, dass ich mein Leben noch immer nach ihm richte und leide jetzt weiter darunter, nur weil ich fair sein möchte.
Gibt es vielleicht jemanden, der mir einen Rat geben kann, wie ich mein eigenes Leben leben kann, ohne dabei mich verletzen zu lassen und trotzdem meinem Mann sein Recht auf den Umgang mit seinem Kind geben zu können?

Vielen Dank,
Heike

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